Plagiatssturm über der “Ethik-Ikone”: Alena Buyx und die Schatten ihrer Corona-Rolle

In einer Zeit, in der Glaubwürdigkeit in der Wissenschaft und Politik auf dem Prüfstand steht, trifft es eine der prominentesten Figuren der deutschen Ethikdebatte: Alena Buyx, ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats und Professorin für Ethik in der Medizin an der TU München. Am 24. Februar 2026 veröffentlichte der österreichische Plagiatsforscher Stefan Weber ein detailliertes Gutachten, das schwere Vorwürfe gegen Buyx' medizinische Dissertation aus dem Jahr 2005 erhebt. Laut Weber enthält die Arbeit, die an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster eingereicht wurde, mindestens 73 Text- und Quellenplagiate, die etwa die Hälfte der 83 Fließtextseiten betreffen. Der Kernvorwurf: Buyx habe Literaturarbeit vorgetäuscht, indem sie Passagen und Referenzen aus älteren Dissertationen – darunter einer zwei Jahre älteren Arbeit einer Studienkollegin – übernommen habe, ohne die Originalquellen zu prüfen oder als Sekundärzitate zu kennzeichnen. Weber spricht von einer "Täuschung über die Eigenständigkeit" und fordert eine Untersuchung, die zur Aberkennung des Doktorgrades führen könnte.

Die Universität Münster hat den Fall aufgenommen, eine abschließende Stellungnahme steht jedoch aus. Buyx selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert – ein Schweigen, das in den sozialen Medien wie X (ehemals Twitter) Spekulationen anheizt. Weber, bekannt als "Plagiatsjäger", hat bereits Fälle wie die von Annette Schavan und Mario Voigt zu Titelverlusten geführt. Doch bei Buyx trifft der Vorwurf eine Frau, die in der Corona-Pandemie als moralische Instanz auftrat – und genau hier wird die Kritik besonders scharf.

Von der Ethikerin zur Pandemie-Beraterin: Buyx' Aufstieg

Geboren 1977 in Osnabrück, studierte Buyx Medizin, Philosophie und Gesundheitswissenschaften in Münster, York und London. Nach ihrer Promotion 2005 und Habilitation 2013 arbeitete sie unter anderem an der Harvard Medical School und beim Nuffield Council on Bioethics in London. Seit 2018 leitet sie das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der TU München. Ihre Ernennung zur Ethikrat-Vorsitzenden 2020 katapultierte sie in die Öffentlichkeit: Als Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung (2021–2023) und später des Expertenrats "Gesundheit und Resilienz" beriet sie die Politik. Sie plädierte für eine flächendeckende 2G-Regelung und betonte die "bedrohliche Situation" der Pandemie.

Die Corona-Jahre: Moralische Appelle und wachsende Kritik

Buyx' Rolle in der Pandemie war hochgradig einflussreich – und kontrovers. Der Ethikrat unter ihrer Führung empfahl im Dezember 2021 mehrheitlich eine Ausweitung der Impfpflicht auf wesentliche Teile der Bevölkerung, flankiert von Maßnahmen wie niedrigschwelligen Impfangeboten und einem Impfregister. Buyx selbst äußerte sich positiv zur Impfung, etwa mit dem Statement: "Ich würde meine Kinder sofort impfen lassen." Der Rat lehnte jedoch Sonderregeln für Geimpfte ab, da Unsicherheiten über die Übertragbarkeit bestanden.

Kritiker werfen dem Ethikrat vor, zu unkritisch gegenüber der Regierungspolitik gewesen zu sein. Interne Schreiben von Buyx an den damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn, die der "Welt" vorliegen, wecken Zweifel an der Unabhängigkeit des Gremiums. Laut Ethikratgesetz soll der Rat als "unabhängiger Beraterstab" wirken, doch Beobachter sehen hier eine "Vorgaukelung ethischer Leitlinien". Buyx' mediale Präsenz – in Interviews und Auftritten – verstärkte den Eindruck einer engen Verzahnung mit der offiziellen Linie. Direkte Verbindungen zum Robert Koch-Institut (RKI) werden nicht explizit genannt, doch ihre Beteiligung an Pandemie-Beratungsgremien impliziert eine Nähe zu wissenschaftlichen Institutionen wie dem RKI, das zentrale Daten lieferte.

In Retrospektive: Hat Buyx' Ethikrat evidenzbasierte Politik gefördert oder Narrative verstärkt? Kritiker argumentieren, die Empfehlungen zur Impfpflicht – anfangs für Delta, später angepasst an Omikron – hätten zu sehr auf Zwang gesetzt, ohne ausreichende Berücksichtigung von Alternativen. Buyx räumte 2025 ein, dass Themen wie Schulschließungen und berufsspezifische Impfpflichten kontrovers diskutiert wurden, doch der Rat blieb bei seiner Linie.

Die Brisanz: Plagiat und Pandemie-Glaubwürdigkeit

Die Plagiatsvorwürfe werfen ein kritisches Licht auf Buyx' gesamte Karriere. Wenn sie in ihrer Dissertation "ungeprüft abgeschrieben" hat – inklusive Fehlern aus Sekundärquellen – , stellt sich die Frage: Galt Ähnliches für ihre ethischen Empfehlungen in der Corona-Zeit? Kritiker auf X sehen hier eine Parallele: Buyx als "Corona-Hardlinerin", die möglicherweise Narrative übernommen hat, ohne tiefe eigene Prüfung. Satirische Kommentare, etwa von Parodie-Accounts, unterstreichen den Kontrast zwischen ihrer moralischen Autorität und den Vorwürfen. Weber fordert sogar die Offenlegung ihrer Habilitationsschrift, die sie als Ethikerin qualifizierte.

Reaktionen: Von Schweigen bis Empörung

In Medien wie der "Jungen Freiheit" und "Berliner Zeitung" wird der Fall als "schwerwiegender Verdacht" dargestellt, mit Fokus auf Buyx' Pandemie-Rolle. Auf X teilen Nutzer wie Stefan Homburg und Weber selbst das Gutachten, fordern Transparenz. Konservative Kreise sehen Doppelmoral: Eine Ethikerin, die Freiheitsrechte einschränkte, nun selbst unter Integritätsdruck.

Ausblick: Eine Lektion für Ethik und Politik?

Die Vorwürfe könnten Buyx' Erbe belasten – und die Debatte über Wissenschaft in der Politik anheizen. Hat der Ethikrat unter Buyx wirklich unabhängig beraten, oder spiegeln die Plagiatsvorwürfe ein Muster wider? Eine gründliche Prüfung ist essenziell, um Vertrauen wiederherzustellen. Bis dahin bleibt die Frage: Kann eine Ethikerin, die "abgeschrieben" haben soll, noch als moralische Leitfigur gelten?

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